Foto: Jakob-Brucker-Gymnasium, Juni 2026
Pforzen im August 2026
Liebe Schülerinnen und Schüler am Jakob-Brucker-Gymnasium in Kaufbeuren,
herzlich willkommen auf meiner Homepage. Schön war es bei euch im Unterricht! Auf meiner Homepage will ich eure Fragen zu Danuvius guggenmosi nach dem Unterricht noch beantworten. Oder auch Interessantes, was in den Parallelklassen zustande kam, beschreiben. Daher gibt es diese Seite.
Ihr könnt aber weitere Fragen über diese E-Mail-Adresse mir zukommen lassen:
info@danuvius-hammerschmiede.de.
Das Thema um die Funde in der Tongrube der Hammerschmiede ist so aktuell, dass es noch nicht in den Lehrbüchern zu finden ist. Daher habe ich auch ein Informationsblatt für euch zusammengestellt.
Danuvius guggenmosi - Unterricht, 10. Klasse Gymnasium, Biologie
Informationsmaterial könnt ihr für private Zwecke nutzen, ihr dürft es euch also gerne ausdrucken. Gewerbliche Nutzung ist nur mit meinem Einverständnis erlaubt.
(Siehe "Intention")
Es hat mir wieder viel Spaß am JBG gemacht, auch dank eurem Direktor Herrn Walter, der hinter der Idee steht und mich herzlich willkommen heißt, und eurem Biologie-Lehrer Herrn Fink, der mich tatkräftig und mit Freude unterstützt!
Dr. Christine Laugwitz
Fragen aus unserem Unterricht:
Darf die Fa. Geiger da abbauen, zerstört die nicht die Fossilien?
Ohne die Fa. Geiger wäre man nicht an die fossilführenden Schichten gekommen. Auf den Schichten, in denen die Paläontologen nach Fossilien suchen, liegen viele, viele Sedimente. Die "Wand" am Ende der Grube ist über 25 m hoch, das ist das Minimum, was abgetragen werden muss, bevor man Fossilien ausgraben kann. Inzwischen kennt man sehr gut die Ebenen, in denen Fossilien zu erwarten sind. So wurden diese vom Landratsamt unter Schutz gestellt. Die Forscher aus Tübingen dürfen dankbar sein, dass hier die Fa. Geiger mit Rücksicht auf die fossilen Funde den Ton abträgt. Bevor man Kenntnis von den Fossilien hatte, sind sicherlich einige Fossilien zerstört worden, aber unwissentlich. Man darf auch nich vergessen, dass wir diesen Ton als Baustoff benötigen. Er dient für die Ziegel-Produnktion oder Abdichtung von Deponien.
Unterschied Paläontologie und Archäologie:
Leider wird im Zusammenhang mit Danuvius guggenmosi immer wieder das Wort "Archäologie" in der Allgäuer Zeitung und bei Ankündigungen des Fördervereins UDO - Danuvius guggenmosi e.V. verwendet, das ist einfach falsch.
Die Archäologie interessiert sich für die Geschichte der Menschheit mit ihrer Kultur, die sich bis zu vor wenigen Millionen Jahren zurückverfolgen lässt, vielleicht 3 Millionen Jahre. Sie beginnt mit den ersten Steinwerkzeugen. Es handelt sich um eine historische Geisteswissenschaft.
Die Paläontologen dagegen sind Naturwissenschaftler, die sich mit dem Leben vor der Menschheit beschäftigen. Sicherlich stellt sich hier die Frage, der wir hier nachgehen, wie hat sich der aufrechte Gang entwickelt, der ein "Markenzeichen" des Menschen ist. Grenzen zu ziehen ist manchmal schwierig. Paläontologen interessieren sich aber für die gesamte Flora und Fauna einer Fundstelle. Dabei spielt auch die Geologie eine große Rolle.
Zudem gibt es noch Anthropologen, die den Menschen und seine Evolution erforschen, auch sie sind Naturwissenschaftler.
Es gibt viele Überschneidungen.
Nicht verwechseln sollte man den Begriff "Pathologie" mit der "Paläontologie". Die Begriffe mögen ähnlich klingen. Die Pathologie ist eine Teildisziplin der Medizin und beschäftigt sich mit der Entstehung und dem Verlauf von Krankheiten, in der Humanmedizin mit Krankheiten des Menschen.
In der Allgäuer Zeitung erschien zu unserem Unterricht folgender Artikel:

Allgäuer Zeitung - Kaufbeuren am 03. August 2026
Mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung
Zeitungsartikel als PDF

Foto: Werner Fink, 23.07.2026
Leider wurde das Foto in der Allgäuer Zeitung nicht komplett abgedruckt. Hier ist also das komplette Foto. Ihr könnt den schwarzen "Fleck" auf meinem großen Zeh erkennen, mit dem ich verdeutlichen möchte, dass dieser eine Fund am Fußskelett (erstes Großzehenglied) die Grundlage für die Aussage ist, dass Danuvius einen Greiffuß hatte. Andere Funde der unteren Extremität (für den Allgäuer noch Fuß) sind das Schienbein und der Oberschenkelkopf bei dem männlichen Tier. Was ich euch auch mit der Wurzel zeigen wollte: mein Fuß passt sich der Rundung nicht so gut an, weil meine Zehen parallel sind. Bei Danuvius sah das angepasster aus, bei ihm stand der Großzeh zur Seite.
Woher weiß man, dass Fossilien zu einer Tierart oder zu einem Individuum gehören?
Zu welcher Tierart ein gefundenes Fossil gehört, bestimmt man mit einem Vergleich bereits existierender Funde. Das können Funde aus der Tongrube in der Hammerschmiede sein, oder auch Tiere, die an anderen Fundstellen gefunden wurden. Wissenschaftler haben hier in der Regel schon einen ausreichenden Erfahrungsschatz, so dass sie bereits an der Fundstelle erste Vermutungen haben, die dann in der Universität überprüft werden.
Ob verschiedene Fossilien, die offensichtlich zu einer Tierart gehören, zu einem Individuum gehören, lässt sich nur mit einer angemessenen Wahrscheinlichkeit sagen. Grundsätzlich können immer Tiere mehrfach vorkommen. Es gibt Kriterien, die für ein zweites Individuum oder dasselbe Individuum sprechen:
Hat man zwei identische Fossilien einer Seite gefunden, also z.B. zwei linke Oberschenkel, so muss es sich um zwei verschiedene Tiere handeln. (Ausschluss).
Ein Hinweis, dass es sich um ein Individuum handelt, wäre, wenn zwei benachbarte Knochen zueinander passen. Z.B. hält man das Oberkiefer- und das Unterkieferstück von Danuvius aneinander, stellt man fest, dass die Zahnhöcker von Oberkiefer und Unterkiefer ineinander passen. Wenn Größe und Form zueinanderpassen, ist das sehr wahrscheinlich ein Individuum.
Wenn die Fossilien in der Größe zusammenpassen, dann kann man eher ein Individuum vermuten, als wenn sich die Größe unterscheidet. Habe ich zwei Fingerglieder, die sich in der Größe ähneln, dann spricht das eher für ein Individuum. Allerdings hat ein Menschenaffe mehrere Fingerglieder, so dass es hier nicht ganz einfach sein könnte, dies zu differenzieren.
Sollten Fossilien zu einem Individuum gehören, müssen sie in der Farbe identisch sein. Die Farbe wird von dem umliegenden Gestein bestimmt, somit bedeutet selbe Farbe selber Fundort und selbe Einbettung. Die Erhaltung der Fossilien muss zusammenpassen.
Auch spricht für ein Individuum, wenn die Fossilien beieinander liegen.

Foto: Werner Fink, 23.07.2026
Am Beispiel des Oberschenkelkopfes können wir für Danuvius die Zahl der erwachsenen Individuen erklären.
Dafür habe ich euch ein Modell gebaut.

Die Kugeln in unterschiedlicher Größe stellen Oberschenkelköpfe dar. Sie haben eine genormte Größe, passen also nicht ganz mm-genau. Die rechte größte Kugel entspricht in der Größe einem menschlichen Oberschenkelkopf. Für diesen habe ich einen Mittelwert angegeben ohne männliche und weibliche Menschen zu unterscheiden. Die linken drei, kleineren Kugeln entsprechen Funden von Danuvius. Der ganz linke ist Teil eines kompletten Oberschenkels, der allerdings von der Erhaltungsqualität relativ zerstört ist. Aber wir haben die Größe eines linken Oberschenkelkopfes. Ferner haben wir einen Oberschenkelkopf, der bereits im Oberschenkelhalsbereich vom Oberschenkelschaft abgetrennt ist. Er hat eine ähnliche Größe wie der ganz linke. Da es sich um zwei linke Oberschenkelköpfe handelt, müssen es zwei verschiedene Individuen sein. Nun gibt es den dritten Oberschenkelkopf, der ist ein rechter. Aber er gehört nicht zu einem der linken Oberschenkelköpfe, weil diese sich zu sehr in der Größe unterscheiden. Somit haben wir drei verschiedene Individuen aufgrund der Oberschenkelgröße.
Es liegt eine Dopplung der Oberschenkelköpfe vor und es liegt ein Größenunterschied vor.
Aus dem Größenunterschied wird auch ein wahrscheinlicher Unterschied der Geschlechter abgeleitet. Das ist möglich, aber nicht sicher. Bitte denkt daran, es gibt sehr große Frauen und es gibt sehr kleine Männer.
Wie kann man bei den Funden unterscheiden, ob ein Tier auf zwei oder vier Beinen läuft, wie z.B. bei einer Kuh?
(Wir sprachen gerade über Oberschenkelköpfe)
Zunächst, es gab keine Kühe in der Hammerschmiede. Hier hat die Allgäuer Zeitung so etwas einmal geschrieben, was nicht stimmt. Kühe waren ursprünglich Auerochsen, die domestiziert wurden, vielleicht vor 8.000 Jahren. Es gibt aber andere Vierbeiner in der Hammerschmiede, z.B. Antilopen.
Wenn man einen Oberschenkelkopf auf seine Knochendichte untersucht, kann man eine Aussage machen, wie dieser Oberschenkelkopf belastet wurde. Die Knochenbälkchen richten sich entsprechend ihrer Belastung aus. Hier gibt es deutliche Unterschiede bei Tieren, die auf zwei bzw. vier Beinen laufen. Leider ist zu diesem Punkt bei Danuvius noch nichts veröffentlicht. Das könnte gegebenenfalls einen Hinweis auf zweibeinige Fortbewegung geben.
Fotos: © Tierpark Hellabrunn, Foto Dr. Christine Laugwitz, 21.07.2026
Hier zeige ich euch Schimpansen aus dem Zoo Hellabrunn. Auf dem linken Foto könnt ihr den Greiffuß sehen, so wie ihn der Schimpanse auf einen Ast aufsetzt und dabei seinen Fuß an den Baumast anpassen kann. Auf dem rechten Foto achtet auf die Fingerstellung, wie der Schimpanse beim Gang auf allen Vieren die Hände aufsetzt. Das ist der sogenannte Knöchelgang.
Meine Beurteilung der Funde zu Danuvius guggenmosi hat sich geändert.
In der Tongrube der Hammerschmiede laufen noch die Grabungen, Jahr um Jahr kommen neue Funde dazu. Leider sind zu Danuvius bis auf einen Zahn seit 2019 keine weiteren Funde mehr veröffentlicht worden. Warum, das ist wohl ein gehütetes Geheimnis der Uni Tübingen. Im Laufe der Jahre seit der Erstveröffentlichung im Jahr 2019 habe ich viele Überlegungen zu den Fossilien des Menschenaffen angestellt und vor allem den aufrechten Gang hinterfragt. Dazu hatte ich auch tiefe Gespräche mit einem Professor der Paläontologie. So leiten mich diese Erkenntnisse dahin, dass ich die Interpretation der Fossilien heute deutlich einschränke. Viele Interpretationen von Frau Prof. Dr. M. Böhme gehen mir zu weit. Hier zeige ich meine Vergleiche, wie ich sie vor vier Jahren gesehen habe und wie ich sie inzwischen sehe. Die Stichworte sind an Überlegungen von Frau Prof. Dr. M. Böhme angelehnt.


Bei der Beschreibung der Wirbelsäule können wir lediglich auf zwei Brustwirbel zurückgreifen, mit denen erklärbar ist, dass die Brustwirbelsäule gebogen ist. Für die Lendenwirbelsäule oder die Halswirbelsäule haben wir keinen Fund. Auch die Erklärung der Form des Brustkorbes beruht auf den Brustwirbeln. Wir haben aber keine Rippen von Danuvius. Die Beurteilung eines O- oder X-Beines weiß ich selber noch nicht genau einzuschätzen. Denn wir Menschen können aufrecht gehen, egal ob wir O- oder X-Beine haben. Zudem kann man beim Menschen eine Tendenz feststellen, dass Männer eher O-Beine und Frauen eher X-Beine haben. Udo hat nun nach der Tübinger Interpretation X-Beine ....?
Krümmung der Wirbelsäule

Auf dieser Folie habe ich euch die Möglichkeiten der Krümmung der ganzen Wirbelsäule dargestellt. Auf den beiden kleinen Fotos seht ihr die gefundenen Wirbel von Danuvius. Anhand ihrer Dornfortsätze, die in einem unterschiedlichen Winkel von den Wirbelkörpern nach unten zeigen, kann man logisch folgern, dass die Wirbelsäule im Brustbereich gebogen sein muss. Wenn die Wirbelsäule im Brustbereich gebogen ist, kann sie aber weiter oben und unten entweder entgegengesetzt gebogen sein (S-förmig), oder die Krümmung setzt sich fort (C-förmig). Auf der Folie ist im linken Bereich eine menschliche Wirbelsäule abgebildet. Rechts habe ich die Variante mit der C-Form dargestellt, die wir bei Schimpansen oder anderen Menschenaffen finden.

Buch von Madelaine Böhme
Dieses Buch steht in eurer Schulbücherei und beschreibt den Fund des Danuvius guggenmosi und anderer fossiler Funde, die in die Evolution der Primaten verankert werden.
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